„Keine Alternative hat uns gefallen”

Jacob Fahrenkrug verantwortet bei VC/o die digitalen Produkte. Als er anfing, war dies gleich ein Sprung ins kalte Wasser. 

Jacob hat mit seinen 34 Jahren beruflich schon viel erlebt. Der Informatiker hat für große Konzerne wie Bayer und die Deutsche Post gearbeitet, in der Finanz-, Telekom- und Gaming-Branche Geld verdient, das Start-up yetu mit aufgebaut und miterlebt, wie es Pleite ging. Als er Ende 2017 zu VC/O kam, stand er vor einer Aufgabe, an der man eigentlich nur scheitern kann. Warum er immer noch dabei ist und sich als Vater bei der Viessmann-Tochter gut aufgehoben fühlt, erklärt er im Interview.

Jacob, machst du bei VC/O?

Ich bin CTO und CPO, also verantwortlich für Technologie und alle digitalen Produkte.

Was war deine erste Aufgabe?

Eines unserer zentralen Produkte ist die ViCare App, die es unseren Endkunden erlaubt, ihre Heizungsanlage per Smartphone zu steuern. Sie ist auch mit der Vitoguide App verknüpft, die unseren Fachpartnern das Monitoring der von ihnen betreuten Anlagen ermöglicht. Beide Apps standen kurz vor dem Totalausfall. Mein Job war es, das zu verhindern.

Wie kam es dazu?

ViCare war ursprünglich für etwa 50.000 Endgeräte ausgelegt. Doch zu dem Zeitpunkt, als ich hier anfing, waren bereits viel mehr Anlagen online. Das veraltete, noch von Hand geschraubte Backend war von einem externen Dienstleister entwickelt worden, der nicht mehr für uns arbeitete. Das System war völlig überlastet und hätte jeden Tag unkontrolliert abstürzen können.

Was hätte das bedeutet?

Im schlimmsten Fall wäre das Produkt für unsere Endkunden über Monate komplett ausgefallen. Auch das Monitoring durch den Installateur wäre nicht mehr gewährleistet gewesen. Es war auch nicht klar, ob wir das System nach einem Absturz überhaupt wieder hätten starten können.

Klingt nach dem perfekten Albtraum für den CTO. Welche Optionen hattet ihr?

Wir haben ein neues Backend entwickelt, auf dem beide Apps laufen sollten. Die Alternative war: Entweder wir lassen das alte System noch eine Weile in Betrieb und riskieren den Totalausfall. Oder wir starten die App auf dem neuen Backend neu, aber mit Bugs und weniger Features als mit dem alten System. Keine Alternative hat uns gefallen, aber wir mussten den Absturz verhindern und haben uns daher für die neue App entschieden.

Wie hat sich das ausgewirkt?

Die neue App hatte nur Basis-Features. Sie hatte keinen Newsfeed, keine Urlaubsfunktion. Nicht einmal Scheduling war möglich, also die Heizung auf den Tagesablauf einzutakten. An sich also ein Produkt, das dem Qualitätsanspruch von Viessmann nicht gerecht wurde. Zum Glück haben wir sie im Sommer gelauncht, zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die Verbraucher ohnehin kaum mit der Heizung beschäftigen. Daher haben die meisten Kunden keine Auswirkungen zu spüren bekommen.

Wie steht ihr jetzt da?

Viessmann baut Heizkessel, die Weltklasse sind. Die werden in der für die Industrie relativ kurzen Zeit von zwölf bis 18 Monaten entwickelt und auf den Markt gebracht. Diese Entwicklungszeiten waren die Kunden auch bei der Software gewohnt, was natürlich in Zeiten des Internets sehr langsam ist. Wir haben die App und die dazugehörigen Arbeitsabläufe so umgestellt, dass wir im Zwei- bis Vier-Wochen-Rhythmus neue Funktionalitäten hinzufügen können, was wir auch konsequent machen. Wir sind also auf einem guten Weg.

Was hast du aus der Krise gelernt?

Wenn man aus der Start-up-Welt kommt, in der man alles sehr schnell ändern kann, muss man sich an die Abläufe in einem Industrie-Unternehmen erst gewöhnen. Wir müssen die Mitarbeiter mitnehmen von „Wir bauen hocheffiziente Heizungen“ zu „Wir bauen Lösungen, die darauf einzahlen, dass wir nachhaltig sind“. Dabei bringt es nichts, ungeduldig zu sein und Zeitdruck aufzubauen. Da muss man die Geduld haben, Brücken zu bauen.

Wo wollt ihr mit der App noch hin?

Es geht nicht nur darum, das Bedienelement vom Gerät auf das Handy zu bringen, damit der Kunde nicht in den Keller laufen muss, um die Temperatur zu regulieren. Das ist nur der erste Schritt. Langfristig wollen wir mit ViCare für den Kunden Energie im Haus managen. Wir streben den perfekten Kompromiss zwischen Komfort und Nachhaltigkeit an. Wir wollen den Kunden und seine Familie kennenlernen und ein adaptives System entwickeln, mit dem sich die Nutzer zu Hause jederzeit wohlfühlen und ein Minimum an Energie verbrauchen.

Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit bei deiner Arbeit?

Ich habe vier Kinder und möchte, dass sie nicht in einer Welt nach der Klimakatastrophe leben müssen. Deswegen ist mir das Thema Nachhaltigkeit auch persönlich sehr wichtig. Bei Viessmann arbeiten wir nach dem Motto: „We create living spaces for generations to come“. Und das wird auch gelebt. Ich könnte als freier Berater anderswo mehr verdienen, aber hier habe ich das Gefühl, dass ich einen Beitrag dazu leisten kann, dass unsere Welt nicht den Bach runtergeht.

Kannst du mal ein Beispiel nennen, wie Viessmann sich das Smart Home der Zukunft vorstellt?

Wenn der Nutzer zum Beispiel gerade joggen geht und das System das über seine Apple Watch erfährt, geht es davon aus, dass er gleich nach Hause kommt, es warm haben will und duschen geht. Anderes Beispiel: Wenn du vom Sofa aufstehst und dir etwas zu essen machst, folgt dir die elektronische Fußbodenheizung vom Wohnzimmer in die Küche. Das ist nicht nur angenehm, sondern spart auch Energie. So etwas können Google, Apple oder Amazon nicht entwickeln, Viessmann aber schon.

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